Mein Weg nach Deutschland
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Mein Weg nach Deutschland

 

Mein Name ist Saba H.* und ich bin vor 30 Jahren in Äthiopien geboren. Als ich 17 Jahre alt wurde, bin ich aufgrund des jahrelangen Konfliktes zwischen Eritrea und Äthiopien in das Heimatland meiner Eltern nach Eritrea gezogen.

Dort habe ich auch meinen Mann Asmerom* kennengelernt. Mein Mann war zu diesem Zeitpunkt als Offizier bei der Armee tätig. 2006 haben wir geheiratet. Der Alltag in Eritrea ist wesentlich vom Militär geprägt. Oft war mein Mann monatelang von mir getrennt. Der längste Zeitraum unserer Trennung dauerte 3 Jahre lang ohne etwas von ihm zu hören.

2013 entschlossen wir uns, das Land zu verlassen und eine gemeinsame sichere Zukunft in Europa uns aufzubauen.

Der Weg unserer Flucht führte durch den Sudan, in dem ich mich 4 Monate lang voll verschleiern musste um nicht aufzufallen. Danach ging unser Weg einen Monat lang durch die Wüste weiter nach Libyen. Wir durften eine Woche lang unseren Platz in der Wüste nicht verlassen, da die Schlepper uns darüber informierten, dass IS Truppen in unmittelbarer Gegend sich befanden.

Als Tagesration stand uns ein Brötchen für 3 Personen und 1 Flasche Wasser für 5 Personen zur Verfügung.

In Libyen angekommen, wurden wir in eine große Halle mit ca. 280 anderen Flüchtlingen eingesperrt. Für alle stand nur eine Toilette bereit. Die Schlepper schlugen uns regelmäßig und insbesondere die Männer.

Ich selber habe gesehen, wie einem Freund von uns mit einem Gewehrkolben der Kopf eingeschlagen wurde.

Nach 2 Wochen sind wir nachts weiter transportiert worden in eine Stadt mit dem Namen Engjaglia. Auch dort sind wir wieder in eine Halle gesperrt worden. Die Schlepper haben regelmäßig weitere Geldzahlungen von uns verlangt, bevor der Transport weiterging. Mein Mann und ich haben dann Kontakt mit unseren Familien aufgenommen, die allesamt weitere Dollar zusammenlegten um uns die Flucht zu ermöglichen.

Derjenige der nicht mehr zahlen konnte wurde erschossen.

 

Von Engjaglia aus ging es in einer 18 stündigen Autofahrt nach Tripolis. Für den Transport wurde ein LKW mit Särgen beladen. In jedem der 6 Metallsärge befanden sich jeweils 6 Flüchtlinge. Bei Außentemperaturen Nahe der 50 Grad Celsius und keine Möglichkeit der Notdurft, war dies bis zu diesem Zeitpunkt für mich der schrecklichste Augenblick unserer Flucht.

Wir wurden eine Woche lang erneut in einer Lagerhalle in Tripolis versteckt. Eines Nachts wurden wir plötzlich aufgefordert, die Halle schnell zu verlassen. Nach einem 4 stündigen Marsch wurden wir zu einem Boot geführt um über das Mittelmeer nach Italien zu kommen.

Unser Boot war mit 285 Personen beladen. Nach 4-5 Stunden Fahrt mit dem Boot ist der Motor kaputt gegangen. Es gelang uns nicht, diesen zu reparieren. Nach einer Weile drang immer mehr Wasser in das Boot und wir versuchten dies mit unseren Wasserflaschen abzuschöpfen.

Sechs Tage lang trieben wir auf dem Mittelmeer ohne Navigationsmöglichkeit. Die Wasservorräte reichten nur für zwei Tage und Essensvorräte hatten wir auch nicht. Ich begann, meine Kleidung ins Wasser zu tauchen und Salzwasser zu trinken. Mein Mann wollte mich davon abhalten, aber dies gelang ihm nicht. Mir wurde schlecht und ich bekam starke Bauchkrämpfe.

Wie durch ein Wunder, wurden wir von einem großen Containerschiff aufgelesen und mit Nahrung und Wasser versorgt.

Drei Tage später – am 13.11.2013 - kamen wir in Italien an.

Von da an ging es mit dem Zug nach Rom, weiter nach Mailand und mit dem Auto nach Stuttgart und dann nach Frankfurt am Main.

 

Wir waren in Deutschland angekommen, kannten niemanden konnten uns nicht verständigen und Geld hatten wir auch keines mehr. Wir haarten drei Tage lang am Frankfurter Bahnhof aus, bis uns ein Eriteaer ansprach. Dieser gab uns erst einmal etwas zu essen und vermittelte uns an ein Aufnahmelager nach Gießen. Von dort aus sind wir über Dortmund und Schöppingen schließlich nach Velbert gekommen.

Wir sind glücklich darüber in Frieden miteinander leben zu können. Wir haben bereits viele deutsche Freunde kennengelernt und sind dankbar für die große Unterstützung die wir erfahren.

Wir möchten uns auch einbringen und vor allen die deutsche Sprache noch besser erlernen.

Am 01.08.2016 habe ich den nächsten Schritt gewagt und besuche seitdem das Berufskolleg Bleibergquelle an dem ich meinen Hauptschulabschluss absolvieren möchte um anschließend eine Ausbildung zur Kinderpflegerin zu beginnen.

Bei diesem Vorhaben unterstützt mich die Stiftung Leuchtturm, wofür ich sehr dankbar bin.

 

Liebe Grüße

 

Saba H.

 

 

Anmerkung der Stiftung:

Saba und ihren Ehemann Asmerom haben wir bei unserem Projekt der Kleiderkammer Jacke wie Hose kennengelernt.

Beide haben wir als sehr herzliche Menschen wahrgenommen, die auch schnell ihre Bereitschaft signalisiert haben, in der Kleiderkammer praktisch mitzuhelfen.

Asmerom ist gelernter Polsterer und sucht einen Arbeitsplatz.

Saba finanzieren wir den Schulbesuch am Berufskolleg Bleibergquelle.

Wir sehen hierin einen Beitrag zur Integration der Flüchtlinge und sind dabei behilflich, dass beide zukünftig in Deutschland auf eigenen Beinen stehen können.

 

* Die Namen wurden von der Redaktion aus Sicherheitsgründen geändert.

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